<?xml version="1.0"?>
<rss version="2.0">
<channel>
<title>Sunnygames Forum - Schmunzelecke - Die Geheimnisse der Männer-WG - Messages</title>
<link>https://forum.sunnygames.de/topic9019-die-geheimnisse-der-mnnerwg.aspx</link>
<description>Sunnygames Forum - Schmunzelecke - Die Geheimnisse der Männer-WG - Messages</description>
<language>en-us</language>
<docs>http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss</docs>
<generator>Jitbit AspNetForum</generator>
<pubDate>Fri, 28 Oct 2005 17:56:51 GMT</pubDate>
<lastBuildDate>Fri, 28 Oct 2005 17:56:51 GMT</lastBuildDate>
<item>
<link>https://forum.sunnygames.de/topic9019-die-geheimnisse-der-mnnerwg.aspx</link>
<title>Message from MAD GOOSE</title>
<description><![CDATA[<br/>Nach der Geburt muss der Mann noch genau zweimal in seinem Leben einen wärmenden,<br/>schützenden  Schoß verlassen. Das erstemal, wenn er sein Kinderzimmer räumt. Das zweitemal, wenn er seine kuschelig-miefige Junggesellen-WG verlässt, um mit einer Frau   zusammenzuleben.   Für   viele   Männer  ist  dieser  Schritt  das  wahre Geburtstrauma.  Denn  die  Männer-WG  ist ein friedlicher, idyllischer Ort, eine arkadische  Landschaft  aus  verstreuten Tennissocken, Bundesliga-Stecktabellen, getrockneten Zimmerpalmen und<br/>Sophie-Marceau-Plakaten. Der Schock ist groß, wenn wir aus diesem Paradies vertrieben werden.<br/><br/>Vielleicht lässt sich die Männer-WG am besten anhand ihres spirituellen Mittelpunktes erklären. Es ist der Bierkasten. Oder, richtiger: Die Kasten Bier! <br/>Ganz egal, ob aus diesem getrunken wird oder nicht? Es geht immer darum, einen Kasten  Bier im Haus zu haben. Dieser Kasten Bier ist der augenfällige Beweis einer grundehrlichen, geradezu bauarbeiterhaften Bodenständigkeit, die wir uns trotz unserer lahmen Schlipsträger-Jobs bewahrt haben. Ein Mann braucht einen Bierkasten, um einem anderen Mann seine Zuneigung auszudrücken: Komm doch mal vorbei, wir haben auch n Kasten Bier im Haus. Der Kasten dient außerdem als Legitimation aller möglichen Aktivitäten, die ohne ihn ziellos,  ja läppisch erscheinen würden: Dann trommeln wir ein paar Leute zusammen, schnappen uns einen Ball, gehen in den Park und wir bringen einen Kasten Bier mit. Zum Kasten Bier gehören in der Männer-WG zahlreiche Rituale, etwa das, keinen Flaschenöffner zu haben,  um die Flasche wortlos mittels Feuerzeug, Rohrzange, Tischkante oder am Kasten selbst zu öffnen? wobei die letzte Variante sicher die schönste ist, der Kasten Bier als vollkommenes geschlossenes System. Kein Wunder übrigens, dass man Männer, die lange in Männer-WGs  gelebt haben, oft an einer kronkorkenförmigen Narbe unter der Fußsohle erkennt. Mit  dem  Kasten Bier, dessen Bedeutung gar nicht zu überschätzen ist, hängt ein anderes Männer-WG-typisches Phänomen zusammen Was den Protestanten  ihr Kirchentag, den Ravern ihre   Love-Pararde, den Telekom-Aktionären  ihre Hauptversammlung, das sind den in WGs organisierten Männern die internationalen Fußballturniere EM und WM: ein großes sinnstiftendes Gemeinschaftserlebnis. Allein das Bewusstsein, daß es sich zur selben Zeit Millionen andere genauso mit Erdnussflips und einem  Kasten Bier vor dem Fernseher gemütlich gemacht haben, schafft jenes quasi-erotische Zusammengehörigkeitsgefühl, das  man sonst nur durch Einnahme von Ecstasy oder die Ausschüttung einer schönen Dividende erreicht.<br/><br/>Fast so wichtig wie der Kasten Bier ist der blaue Müllsack. Er reduziert nicht nur die Gänge  zum Container auf einen pro Monat, er garantiert auch, dass der Kontakt zu den Eltern nicht  völlig abreißt: Etwa alle sechs bis acht Wochen schleppen WG-Männer ihre Schmutzwäsche  in dem von innen feucht beschlagene blauen Müllsack zu Mama. Denn die Männer-WG hat keine Waschmaschine oder benutzt sie nicht. Das hat nichts mir Faulheit zu tun, ebensowenig  wie die diversen Sedimentschichten Schmutzgeschirr. Vielmehr  kommt es in Männer-WGs zu einer physikalischen Anomalie von kosmischen Ausmaßen: Das Gesetz, dass Energie nicht verloren gehen kann, wird in jeder Männer-WG tagein, tagaus aufs neue widerlegt. Energie  wird hier spurlos abgesaugt, bis selbst der größte Ehrgeizling seine Aktivitäten darauf  beschränkt, eine Kuhle in die Fernsehcouch zu sitzen und ab und zu machen wir morgen und bloß keinen Stress zu nuscheln. <br/><br/>Wenn überhaupt, denn  nach  jahrelangem Zusammenwohnen beschränkt sich die verbale Kommunikation in  der  Männer-WG zumeist auf verschiedene Intonationen des Kosewortes Alter. Alter  ohne  Betonung  bedeutet: Hallo,  wie geht?s,  wie  war  dein  Tag.<br/>Alteeer,  gedehnt: Ausdruck großer Begeisterung und Anerkennung, etwa wenn ein Mitglied der WG Pizza geholt hat. Alter!, nachdrücklich: Du stehst im Bild. Man  merkt schon, in der Männer-WG herrschen vorzivilisatorische Zustände. <br/><br/>Viele dort  praktizierten Verhaltensweisen sind nur als tiefverwurzelter Aberglaube zu erklären:  Nie den Klosettdeckel runterklappen, das bringt Unglück! Die hinteren Regionen des Kühlschranks   sind geschützter Lebensraum für mutierte Nahrungsmittel und für Menschen tabu! Comic-Lektüre erleichtert den Stuhlgang! Das heikle Thema Toilettenlektüre hat in diesem  Zusammenhang  besondere Beweiskraft: Wir Männer wollen es uns überall so gemütlich wie möglich machen. Wir werden von einem Nesttrieb gesteuert, wie er in der Tierwelt kein zweites Mal vorkommt. Wir haben  den  Schrebergarten, die Eckkneipe und die Business-Class erfunden, damit wir es überall schön heimelig haben: in der Kolonie kleine Zuflucht, in Lothis Präpelstübchen, in der Executive Lounge. <br/><br/>Und eben in der Männer-WG. Aus diesem Biotop werden  wir jäh herausgerissen, wenn wir zum ersten Mal in unserem  Leben mit einer Frau zusammenziehen. Als unsere Männer-WG von der Faust der heterosexuellen Anziehung zerschmettert wurde, ereilte alle meine Freunde dasselbe Schicksal: Frauen, die in das Zusammenleben uns vorher völlig unbekannte  Komponenten hereinbrachten. Vor allem kalte, schneidende Vernunft: Wieso einen ganzen  Kasten?  Das trinken wir doch nie!? Früher kauften wir Lebensmittel stückweise im Spätkauf  der Tankstelle, jetzt  bekommen  wir Einkaufszettel an die Hand, die in der Reihenfolge der  Warenregale im Verbrauchermarkt geordnet sind. Vorbei ist es auch mit der geradezu Biolekschen Harmoniesucht, die wir aus der Männer-WG gewöhnt waren. Zum ersten Mal stellen wir fest, dass man Probleme auch anders lösen kann, als sie vorm Fernseher oder auf  dem  Klo auszusitzen. Wir lernen, dass es außerhalb der Männer-WG nicht zur Versöhnung reicht, dem anderen ein blutiges Steak zu braten.<br/><br/>Am  gravierendsten  aber  ist das Ende der Gemütlichkeit. In der Männer-WG kamen Kumpels vorbei (Habt ihr n?Kasten  Bier da??), heute haben wir Gäste. Wir werden plötzlich   gezwungen, uns Gedanken zu machen über Tischdecken, Menüabfolgen und Gesprächsstoff,  wo früher Pizza aus dem Karton alle drei Probleme auf  einmal löste (Mann, ist die Pizza heute wieder schmierig. Kannste laut sagen.? ? ?MANN; ist die Pizza.....,usw.). Während der Mikrokosmos Männer-WG sich selbst genug ist, geraten wir nun ständig mit der Außenwelt in Berührung: mit Theatern, Museen, Einrichtungshäusern, und mit  den Müllcontainern hinten auf dem Hof. Erst im Zusammenleben mit einer Frau werden langsam zu funktionstüchtigen Mitgliedern der sozialen Gemeinschaft. Aber diese Evolution vom  Höhlenbewohner zum Homo lebensgefaehrtiensis ist ein schmerzhafter Prozeß, der uns viele  Opfer abverlangt. Zum Beispiel Kurts Hemdentrick, der einem das Bügeln ersparte: ein ungebügeltes Hemd einen Tag lang unter einem Pullover anziehen, so daß es am nächsten Tag nicht mehr ungebügelt aussieht, sondern so, als sei es gebügelt worden und dann am Körper zerknittert. Nun kann man das Hemd noch zwei Tage ohne Pullover anziehen! Wir haben ihn dafür bewundert, Beate hat ihm nahegelegt, einen Bügelkurs zu belegen. Frank  pflegte  seinen Sessel so vor den Fernseher zu schieben, daß er den Fuß bequem auf den Fernsehtisch auflegen  konnte, um mit der nackten Zehe die Programme zu wechseln und die Lautstärke zu regeln. Eine schöne, körperliche Form von Interaktivität, eine symbiotische Einheit von Mensch und Medium, die langen  Fernsehabenden eine geradezu metaphysische Qualität verlieh. Karla hat einfach neue Batterien für die Fernbedienung gekauft, nachdem sie zusammengezogen sind Vorbei sind die Zeiten, da wir uns mit dem heißen Eierwasser einen zeit- und energiesparenden Beuteltee aufgossen. Noch schwerer aber fällt es uns, Nudeln plötzlich ohne Hilfe der Küchendecke zu kochen. In unserer Männer-WG hatten wir nämlich  einen genialen Trick entwickelt, auf den man in Christiane Herzogs Kochstudio lange warten  kann: Um festzustellen, wann Spaghetti fertig sind, nimmt man ein paar  aus dem Topf und schleudert sie an die Decke. Fallen sie wieder  herunter, so sind sie noch zu hart. Bleiben sie kleben, sind sie genau richtig. Buon Appetito!<br/><br/><br/>Sexyboy<br/>MalGoose<br/><br/>The Best that was, the Best that is and the Best, that ever will be<br/><br/>Ich würde nie zu den Scheiß-Bayern gehen]]></description>
<pubDate>Fri, 28 Oct 2005 17:56:51 GMT</pubDate>
</item>
</channel>
</rss>
